Die Helvetik

Die Helvetische Republik (schweizerisch: Helvetische Republik, italienisch: Repubblica elvetica) war eine vom französischen Revolutionsexport auf dem Boden der Alten Eidgenossenschaft errichtete Tochterrepublik, die am 12. April 1798 proklamiert und am 10. März 1803 aufgelöst wurde. Diese Periode der Schweizer Geschichte wird auch Helvetica genannt. Die Bezeichnung der Schweiz als "Helvetia" lehnte sich, dem Zeitgeist entsprechend, an das alte keltische Volk der Helvetier an.

 

Der Schweizer Adel und das Patriziat unterhielten enge Beziehungen zu Frankreich, und viele Schweizer wurden in den französischen Adel erhoben und erreichten die höchsten Positionen in der französischen Wirtschaft und Verwaltung sowie in der Armee. Auch die französische Kultur und das Geistesleben hatten einen starken Einfluss auf die Schweiz, so dass sich die Ideen der Aufklärung auch in der Schweiz verbreiteten. Dank der Schriften von Jean-Jacques Rousseau und Johann Heinrich Pestalozzi stieß die Schweiz auch in Frankreich auf großes Interesse.

 

So erregte die Französische Revolution in der Schweiz grosse Aufmerksamkeit und weckte in den verschiedenen Staaten der ehemaligen Eidgenossenschaft Hoffnungen auf eine Reform der bestehenden Machtverhältnisse zwischen den aufgeklärten und den politisch oder wirtschaftlich benachteiligten Bevölkerungsschichten.

 

Die Lage in der alten Eidgenossenschaft blieb jedoch bis 1797 relativ ruhig, trotz der Aufregung der Anhänger der Revolution, der so genannten Patrioten. Die zentralen Anliegen der Patrioten waren die Abschaffung der Privilegien der herrschenden Familien, der Beziehungen zwischen den Untertanen, des Feudalismus, die Einführung moderner Verfassungen, der wirtschaftlichen Freiheit, der Redefreiheit und der Handelsfreiheit.

 

In den einzelörtischen oder gemeinen Herrschaften forderten die Untertanen Autonomie oder Unabhängigkeit, besonders in den von Bern beherrschten Gebieten der Waadt und des Aargaus. Die aufklärerische Helvetische Gesellschaft forderte zudem Schritte zur nationalen Einheit in politischer, wirtschaftlicher und militärischer Hinsicht.

 

Das Ansehen der Französischen Revolution sank jedoch auch bei Schweizer Patrioten angesichts der Gräueltaten des Tuileriensturms, der Septembermorde und der Terrorherrschaft der Jakobiner. In den katholischen Länderorten war die Erbitterung über das Ende des lukrativen Söldnerwesens und die antiklerikalen Massnahmen der Revolutionsregierung besonders ausgeprägt.

 

Während die aufgeklärte Elite diese Eskalation als Folge der Fehler der Aristokratie und der Reformunfähigkeit des Ancien Régime interpretierte, sah sich die herrschende Aristokratie in ihrer kompromisslosen Haltung gegenüber Reformwünschen bestätigt, da sie die Revolution als Folge der Schwäche des Herrschaftssystems in Frankreich interpretierte.

 

Reformen blieben deshalb aus, vielmehr wurden schon bescheidene Forderungen gewaltsam unterdrückt. Durch hartes Durchgreifen wurden etwa die Untertanen der Städte Bern (Unruhen nach dem Föderationsfest 1791), Zürich (Stäfner Handel 1795) und Schaffhausen (Bauernaufstand 1790) sowie das Unterwallis (Aufstand 1790) in die Schranken verwiesen, als sie die «gnädigen Herren» um Reformen angingen.

 

Eine Ausnahme bildete die Fürstabtei St. Gallen, wo den Untertanen 1795 und 1797 weitgehende Zugeständnisse wie die Schaffung einer Volksvertretung gewährt wurden. Auch eine Stärkung des gemeinsamen Bundes der eidgenössischen Orte zur Abwehr der französischen Bedrohung kam nicht zustande. Umgekehrt entstand in Frankreich durch die Propaganda der emigrierten Patrioten, die sich seit 1790 im «Schweizerklub» trafen, und die Beherbergung französischer Flüchtlinge der Eindruck, die Eidgenossenschaft sei ein Hort der Gegenrevolution.

(Quelle Wikipedia)